Dreierbündnis drängt auf schnelles Verfahren für Gesundheitscampus Peelwatt:
MVZ oder Ambulantes Operationszentrum soll Versorgungslücke bei Schwangerschaftsabbrüchen schließen.
Die Ratsfraktionen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (mit Volt), SSW und Linkem Bündnis wollen die Weiterentwicklung des Gesundheitscampus Peelwatt zügig voranbringen. In den Sitzungen des Sozial und Gesundheitsausschusses am 16. März 2026 sowie des Ausschusses für Umwelt, Planung und Stadtentwicklung SUPA am 17. März bringen sie einen gemeinsamen Antrag ein, der die Einrichtung eines Medizinischen Versorgungszentrums MVZ oder eines Ambulanten Operationszentrums AOZ auf dem städtischen Grundstücksanteil am Peelwatt vorsieht.
Ziel ist es, dort ein ambulantes Versorgungsangebot im Bereich der Gynäkologie zu etablieren, ausdrücklich einschließlich operativer Schwangerschaftsabbrüche.
Hintergrund ist veränderte Versorgungslage
Auslöser der Initiative ist die veränderte Situation in den Flensburger Kliniken. Seit dem 1. März 2026 werden nach Angaben der antragstellenden Fraktionen in Flensburg keine klinischen Schwangerschaftsabbrüche mehr durchgeführt. Mit dem Trägerwechsel des Diako Krankenhauses zum katholischen Malteserorden seien entsprechende Eingriffe aus religiösen Gründen grundsätzlich nicht mehr vorgesehen und nur noch in eng begrenzten Ausnahmefällen möglich. Damit sei ein wesentlicher Bestandteil der bisherigen regionalen Versorgungsstruktur weggefallen.
Nach Rückmeldungen und Fallzahlen von pro familia sei die Versorgungslage in Flensburg und der Region bereits angespannt. Betroffene müssten teils auf weiter entfernte Standorte ausweichen. Das führe zu zusätzlichen organisatorischen, zeitlichen, emotionalen und finanziellen Belastungen. Die Sicherstellung einer wohnortnahen fachärztlichen gynäkologischen Versorgung sei Teil der gesundheitlichen Daseinsvorsorge, heißt es in der Begründung des Antrags. Dazu gehöre auch ein qualifiziertes medizinisches Angebot zur Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen im Rahmen der geltenden gesetzlichen Bestimmungen.
Verwaltung soll Verfahren vorbereiten
Konkret soll die Stadtverwaltung beauftragt werden, kurzfristig ein öffentliches Ausschreibungs beziehungsweise Interessenbekundungsverfahren für einen geeigneten Teil der städtischen Fläche auf dem Peelwatt Gelände vorzubereiten. Bis zum 30. Juni 2026 sollen die zuständigen Ausschüsse einen entscheidungsreifen Beschlussvorschlag zur Einleitung des Verfahrens erhalten.
Parallel dazu sollen bereits Gespräche mit dem Land, potenziellen Trägern, bestehenden Leistungserbringern sowie weiteren Akteuren des Gesundheitswesens geführt werden, um Interesse, Realisierbarkeit und mögliche Kooperationsstrukturen auszuloten.
„Versorgungslücke ist nicht hinnehmbar“
Für die Grünen Fraktion erklären die Vorsitzenden Katja Claussen und Leon Bossen:
„Seit dem 1. März gibt es in Flensburg keine klinischen Schwangerschaftsabbrüche mehr. Diese Versorgungslücke ist für uns nicht hinnehmbar. Frauen müssen auch in unserer Region einen verlässlichen Zugang zu dieser medizinischen Leistung haben.“
Grundsatzdebatten über Zuständigkeiten lösten kein akutes Problem, so die Grünen weiter. Gefragt seien nun pragmatische Lösungen. Der städtische Grundstücksanteil am Peelwatt solle aktiv genutzt werden, um den Weg für ein MVZ oder AOZ zu eröffnen, in dem operative Schwangerschaftsabbrüche selbstverständlicher Teil des Angebots seien.
Auch SSW Fraktionsvorsitzender Mats Rosenbaum betont die kommunale Verantwortung: „Die medizinische Versorgung von Frauen darf nicht von der weltanschaulichen Ausrichtung eines Krankenhausträgers abhängen.“ Man hätte sich mehr Unterstützung vom Land gewünscht, wolle aber nun als Kommune selbst handeln. Ziel sei eine „verlässliche, professionelle und ideologiefreie Versorgung“ für Frauen in Stadt und Region.
Tjark Naujoks, Fraktionsvorsitzender des Linken Bündnisses, spricht von einem „pragmatischen Ansatz“, um die bestehende Lücke zu schließen. Seine Fraktion werde Ausschreibung und Planung konstruktiv begleiten.
Ob und in welcher Form sich ein Träger für ein MVZ oder ein Ambulantes Operationszentrum am Peelwatt findet, dürfte maßgeblich vom nun angestoßenen Verfahren abhängen. Mit dem Vorstoß setzen die drei Fraktionen ein deutliches Signal, dass die Stadt beim Thema Gesundheitsversorgung stärker gestaltend eingreifen soll. (ChriHi)