16 Bäume gegen einen neuen Lidl
Im Flensburger Stadtteil Engelsby beginnen in diesen Tagen die Abrissarbeiten am ehemaligen Rewe Markt im Trögelsbyer Weg. Bagger sind angerollt, das Gebäude wird Stück für Stück zurückgebaut. Hintergrund ist ein Betreiberwechsel. Der Lebensmittelhändler Rewe hat sich von dem Standort zurückgezogen, künftig will Lidl dort einen neuen Markt errichten.
Lidl verfolgt für das Grundstück eigene Planungen und möchte an gleicher Stelle ein neues Einkaufsgebäude errichten. Damit verbunden sind jedoch Eingriffe in den vorhandenen Baumbestand. Insgesamt 16 Bäume müssen weichen, darunter 14 gesunde und zwei bereits abgestorbene Exemplare. Sie stehen im sogenannten Baufeld, das für den Neubau benötigt wird.
Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Debatten über Klimaschutz, Nachhaltigkeit und den Umgang mit städtischem Grün bleiben solche Maßnahmen nicht ohne kritische Fragen.
Schnell steht die grundsätzliche Diskussion im Raum. Muss ein neuer Supermarkt zwingend ebenerdig entstehen oder wäre es möglich, über dem Markt zusätzliche Geschosse und damit dringend benötigten Wohnraum zu schaffen?
Nach Auskunft der Stadtverwaltung liegt die Entscheidung darüber jedoch beim Eigentümer des Grundstücks. In diesem Fall sei keine Wohnbebauung über dem Markt vorgesehen. Geplant sind stattdessen ein Gründach sowie Photovoltaikanlagen zur Stromerzeugung.
Auch die Baumfällungen sorgen für Diskussionen. Dass überwiegend gesunde Bäume betroffen sind, stößt bei manchen Anwohnerinnen und Anwohnern und auch in der Politik auf Unverständnis. Die rechtliche Lage ist allerdings eindeutig. Besteht bereits Baurecht für ein Grundstück, haben die Bauplanungen der Eigentümer Vorrang vor Regelungen des Naturschutzes, konkret auch vor der kommunalen Baumschutzsatzung. Selbst die untere Naturschutzbehörde kann in solchen Fällen nicht eingreifen.
Allerdings gelten inzwischen strengere Ausgleichsregelungen als noch vor einigen Jahren. Der Eigentümer ist verpflichtet, Ersatzpflanzungen vorzunehmen. Dafür gibt es klare Vorgaben. Sowohl die Anzahl als auch die Größe der neu zu pflanzenden Bäume wird festgelegt, um den Verlust zumindest teilweise zu kompensieren.
Die Grundlage für die aktuellen Planungen bildet der bestehende Bebauungsplan für das Grundstück, der das Baurecht bereits definiert.
Unter den Anwohnerinnen und Anwohnern gehen die Meinungen über das Vorhaben auseinander. In einer kleinen Umfrage unserer Zeitung in den sozialen Medien wurde deutlich, dass es sowohl Zustimmung als auch Kritik gibt. Während einige den Eingriff in den Baumbestand deutlich kritisieren, sehen andere vor allem die Vorteile für die Nahversorgung im Stadtteil.
Auch politisch wird das Thema aufmerksam verfolgt. Die Fraktion Linkes Bündnis kündigte an, künftig stärker darauf achten zu wollen, ob bei Neubauprojekten bestehender Baumbestand betroffen ist und wie dieser besser geschützt werden kann. In diesem Zusammenhang verwiesen die Vertreter auch auf die Initiative „Jeder Baum zählt“, die sich für den Erhalt von Stadtgrün einsetzt.
Und was passiert mit dem bestehenden Lidl Markt, der nur wenige hundert Meter entfernt ebenfalls in Engelsby liegt?
Darauf hat die Stadtverwaltung derzeit noch keine Antwort. Welche Nutzung dort künftig vorgesehen ist, ist aktuell nicht bekannt. Klar ist bislang nur: Am Trögelsbyer Weg beginnt nun ein neues Kapitel für den Einzelhandel in Engelsby. (SL)