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61 Euro pro Quadratmeter?

Verdacht auf Mietwucher in Flensburg

Wer in Flensburg eine Wohnung sucht, braucht nicht nur Geduld sondern auch offenbar auch ein gehöriges Maß an Vorsicht.

Flensburg leidet unter einem extrem angespannten Wohnungsmarkt. Nach Angaben des Vorsitzenden des Mieterverein Flensburg, Florian Max, fehlen in Flensburg rund 5.000 Wohnungen. Besonders betroffen sind junge Menschen, Studierende und Auszubildende. Kein Wunder: Mit der Europa-Universität Flensburg und der Hochschule Flensburg ist die Stadt ein wichtiger Bildungsstandort, der jedes Jahr zahlreiche junge Menschen anzieht.

Wo Wohnraum knapp ist, steigen die Preise. Doch offenbar gibt es auch Fälle, in denen die Not von Wohnungssuchenden gezielt ausgenutzt wird.

Ein solcher Fall wurde unserer Zeitung von einem jungen Mann geschildert, der auf der Suche nach einem Zimmer in Flensburg kaum noch Alternativen fand. Über die Internetplattform  www.wg-gesucht.de  stieß er schließlich auf ein Angebot, das ihm zwar überteuert erschien, angesichts der aussichtslosen Lage auf dem Wohnungsmarkt aber dennoch als einzige Möglichkeit blieb.

Für ein lediglich knapp acht Quadratmeter großes Zimmer wurde eine Miete von 490 Euro ausgerufen. Umgerechnet entspricht dies einem Quadratmeterpreis von mehr als 61,25 Euro – ein Betrag, der selbst im Luxussegment als hoch gilt.

Der Mietvertrag kam zustande, weil dem jungen Mann schlichtweg die Alternativen fehlten und nachdem das Jobcenter grünes Licht für die Anmietung gegeben hatte, zog er in das Zimmer ein. Insgesamt handelte es sich um eine 3-Zimmer-Wohnung. Alle Zimmer waren jeweils an eine Person vermietet. Den Vermieter bekam der junge Mann jedoch nie zu Gesicht. Der Mietvertrag wurde digital übersandt, der Wohnungsschlüssel wurde von einer Mitbewohnerin übergeben.

Im Mietvertrag hat der Vermieter zwar als Anschrift die Wohnung angegeben, die er vermietet, aber selbst nutzt er diese Wohnung nicht. Sein Aufenthalt ist unbekannt, lediglich eine ausländische Handynummer deutet darauf hin, wo er sich aufhalten könnte. Tatsächlich ist der hier angegebene Vermieter auch nur Mieter der Wohnung, die er überteuert untervermietet hat und sich damit eine Einnahmequelle erschlossen hat. Der Eigentümer der Wohnung ist eine große Wohnungsgenossenschaft, bei der Untermietverhältnisse angezeigt werden müssen.

Nachdem Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Konstruktion aufkamen, suchte der Betroffene Rat und wandte sich schließlich auch an unsere Zeitung. Sein Anliegen: Andere Wohnungssuchende sollen sensibilisiert werden und genauer hinschauen, bevor sie einen Miet- oder Untermietvertrag unterschreiben, dessen Miethöhe rechtswidrig sein dürfte, denn Wucher ist nach § 291 Strafgesetzbuch strafbar, wenn die Zwangslage oder die mangelnde Entscheidungsfreiheit eines Menschen ausgenutzt wird, um überhöhte Mietforderungen durchzusetzen oder gewerblich vorgegangen wird.

Auch die betroffene Wohnungsgenossenschaft reagierte umgehend. Dort wurde zugesichert, den Vorgang umgehend zu prüfen. Denn Untervermietungen sind genehmigungspflichtig – so auch bei der betreffenden Genossenschaft. Wer Wohnraum ohne die erforderliche Zustimmung weitervermietet, muss unter Umständen mit erheblichen Konsequenzen rechnen. Diese können bis zur fristlosen Kündigung des Mietverhältnisses reichen.

Der Vorsitzende des Mietervereins Flensburg erklärt: “Ein Smartphone reicht heute aus, um ein WG-Zimmer zu finden. Es sollte aber auch reichen, um vorher den Mietpreis zu vergleichen. Wer deutlich mehr zahlt, als üblich, merkt das oft schon nach wenigen Minuten Recherche. Wenn keine Angaben zu qm vorhanden sind, gilt größte Vorsicht! Die Größe des Zimmers sollte immer erfragt und mit anderen Angeboten verglichen werden. Übliche WG-Zimmerpreise kann man auch bei der Studierendenvertretung der Hochschulen erfragen. Besonders wichtig ist, dass auch bei einem WG-Zimmer das allgemeine Mietrecht gilt und auch regelwidrige Kündigungsfristen nicht akzeptiert werden dürfen!

Der Fall zeigt exemplarisch, welche Folgen der Wohnungsmangel inzwischen haben kann. Wer verzweifelt nach einem Dach über dem Kopf sucht, ist oft bereit, Bedingungen zu akzeptieren, die unter normalen Umständen kaum vorstellbar wären.

Für viele Wohnungssuchende in Flensburg bleibt die Hoffnung, dass sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt mittelfristig verbessert. Bis dahin dürfte der Konkurrenzkampf um bezahlbaren Wohnraum jedoch weiter zunehmen – und damit auch die Gefahr, dass Einzelne versuchen, aus der Wohnungsnot Profit zu schlagen.

Den Vermieter in diesem Fall haben wir bei der Polizei zur Anzeige gebracht.