Der Südermarkt bekommt ein neues Gesicht Plattform soll verschwinden – mehr Grün, Wasser und Platz zum Leben
Der Südermarkt steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Wo heute noch die wuchtige Betonplattform aus den 1970er-Jahren den Platz prägt, sollen künftig Bäume, Sitzgelegenheiten, Wasser und mehr Offenheit das Bild bestimmen. Der Siegerentwurf für die Neugestaltung wurde jetzt in der Bürgerhalle des Rathauses vorgestellt – und stieß auf großes Interesse. Rund 100 Menschen kamen, um sich die Pläne anzusehen.
Im Mittelpunkt des Entwurfs des Berliner Planungsbüros Planorama steht eine klare Idee: Der Südermarkt soll wieder stärker als zusammenhängender, offener Stadtraum wahrgenommen werden. Die bestehende Plattform samt der darunterliegenden Toilettenanlage soll dafür vollständig zurückgebaut werden.
An ihre Stelle treten unter anderem neue Bäume, Sitzbereiche und geschwungene Stufen zur St.-Nikolai-Kirche. Die Höhenunterschiede zwischen dem Markt und dem Kirchvorplatz sollen dadurch neu gestaltet und zugleich als Aufenthaltsbereich genutzt werden. Ein sogenanntes „Marktsofa“ soll zusätzliche Sitzmöglichkeiten schaffen.
Wasser mitten auf dem Platz
Ein besonderer Hingucker des neuen Südermarktes soll ein Wasserspiel werden. Anders als ein klassischer Brunnen soll es ebenerdig in die Platzfläche integriert und überfahrbar sein. Damit könnte es an heißen Tagen für Abkühlung sorgen und zugleich Kindern als Spielelement dienen. Weil das Wasserspiel in den Boden eingelassen wird, soll der Südermarkt trotzdem für Wochenmarkt und größere Veranstaltungen flexibel nutzbar bleiben.
Auch ein neues rundes Funktionsgebäude ist vorgesehen. Es soll unter anderem öffentliche Toiletten, Technik- und Aufenthaltsbereiche aufnehmen. Die bisherige Toilettenanlage verschwindet also nicht ersatzlos. Das Gebäude soll sich mit seiner runden Form möglichst unauffällig in den Platz einfügen und Sichtbeziehungen zur Kirche offenhalten. Ein begrüntes Dach soll zudem Regenwasser zurückhalten und zur Kühlung des Platzes beitragen.
Mehr Grün und weniger Barrieren
Der Entwurf beschränkt sich nicht auf den eigentlichen Marktplatz. Auch der Bereich rund um St. Nikolai, der Nikolaikirchhof sowie angrenzende Straßen wie die Angelburger Straße und der Klostergang sollen in die Neugestaltung einbezogen werden. Einheitliche Materialien sollen die heute teilweise unterschiedlich gestalteten Bereiche stärker miteinander verbinden.
Baumstandorte, Pflanzflächen und ein veränderter Umgang mit Regenwasser sollen dazu beitragen, den stark versiegelten Innenstadtbereich besser an heißere und trockenere Sommer anzupassen. Regenwasser soll möglichst vor Ort zurückgehalten, versickert oder über die Vegetation verdunstet werden.
Trotz aller Veränderungen soll der Südermarkt seine wichtigste Funktion behalten: Er bleibt Markt- und Veranstaltungsfläche. Die großen freien Bereiche sollen deshalb weitgehend erhalten bleiben. Auch Strom-, Wasser- und Abwasseranschlüsse für Marktstände sollen künftig in der Platzfläche untergebracht werden.
Ein langer Weg bis zur Umsetzung
Dass der Siegerentwurf jetzt feststeht, bedeutet allerdings noch lange nicht, dass bald die Bagger anrollen. Der Wettbewerb liefert zunächst die Grundlage für die weitere Planung. Nun folgen Vorplanung, technische Untersuchungen, politische Entscheidungen, Finanzierung und die konkrete Festlegung der Bauabschnitte. Wie hoch die Kosten am Ende sein werden, ist derzeit noch offen. Auch einen verbindlichen Baubeginn gibt es noch nicht. Nach derzeitiger Einschätzung könnte es rund zehn Jahre dauern, bis der neue Südermarkt vollständig umgesetzt ist.
Für die Öffentlichkeit ist der Prozess damit noch nicht abgeschlossen. Die Wettbewerbsergebnisse können bis zum 29. September 2026 im Foyer der Bürgerhalle des Rathauses während der regulären Öffnungszeiten angesehen werden.
Auch weitere Möglichkeiten für Bürgerinnen und Bürger, sich in den weiteren Planungsprozess einzubringen, sind vorgesehen.
Der Südermarkt könnte damit in einigen Jahren kaum wiederzuerkennen sein: weniger Beton, mehr Bäume, Wasser und Aufenthaltsqualität – und ein Platz, der Wochenmarkt, Gastronomie, Veranstaltungen und Alltag miteinander verbinden soll.


