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Ein Zimmer gegen ein bisschen Hilfe: Wohnpartnerschaften bringen verschiedene Generationen zusammen

Was wäre, wenn ein freies Zimmer nicht leer stünde, sondern einem jungen Menschen ein
Zuhause gäbe? Was wäre, wenn im Gegenzug im Alltag jemand da wäre, der beim
Einkaufen hilft, den Rasen mäht, den Computer erklärt oder einfach Zeit für ein Gespräch
hat?
Genau hier setzt die Initiative „Wohnen für Hilfe“ an. Der Verein BobenOp möchte ein
solches Wohnpartnerschaftsmodell auch in der Region aufbauen und damit eine Win-Win-
Situation mit Wohnraum für die eine und Hilfe für die andere Partei schaffen. Und für beide
ein gutes Miteinander zu schaffen.
Das Prinzip ist simpel: Wohnraum wird nicht gegen eine übliche Miete vergeben, sondern
gegen vereinbarte Unterstützung im Alltag. Für jeden Quadratmeter Wohnraum leisten
Studierende etwa eine Stunde Hilfe im Monat. Zusätzlich werden anteilige Kosten für
Heizung und Strom übernommen. Pflegeleistungen sind ausdrücklich nicht Bestandteil einer
solchen Vereinbarung.


Unterstützung, die im Alltag ankommt
Für Seniorinnen und Senioren beispielsweise kann eine Wohnpartnerschaft eine Möglichkeit
sein, länger selbstständig in den eigenen vier Wänden zu leben. Hilfe beim Einkaufen, im
Garten oder im Haushalt kann ebenso wertvoll sein wie Gesellschaft, ein gemeinsames
Essen oder ein regelmäßiger Austausch.
Dabei geht es nicht darum, eine Haushaltshilfe oder Pflegekraft zu ersetzen. Im Mittelpunkt
steht ein gegenseitiges Miteinander, das zu den Bedürfnissen und Möglichkeiten beider
Seiten passt. Die Wohnraumanbietenden behalten ihre vertraute Umgebung, gewinnen aber
eine weitere Person im Haus.
Neben Senior*innen,egal ob alleinstehend oder als Paar, kann das Modell auch für andere
Gruppen interessant sein, z.B. als Entlastung für Familien oder für Menschen mit
körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen.


Auch Wohnraumsuchende profitieren
Gerade in Regionen mit knappem und teurem Wohnraum kann ein Zimmer gegen
Unterstützung eine bezahlbare Alternative sein. Gleichzeitig entsteht die Chance, Kontakte
zu knüpfen, von Lebenserfahrung zu lernen und Teil einer Gemeinschaft zu werden. Für die
Region Flensburg suchen z. B. aktuell etwa 20 internationale Studierende nach einem Zimmer, damit sie ihr Studium in Flensburg zum neuen Semester beginnen können. Aber
wie bei den Wohnraumgebenden gibt es auch hier keine festen Grenzen bezüglich Alter,
Familienstatus etc.


Weit mehr als ein günstiges Zimmer
Am vielleicht wichtigsten beim Modell „Wohnen für Hilfe“ ist die Bereitschaft, sich
aufeinander einzulassen. Denn eine Wohnpartnerschaft ist kein gewöhnliches Mietverhältnis
und auch keine reine Zweckgemeinschaft. Damit sie gelingt, müssen beide Seiten offen
miteinander sprechen: Wie sieht der Alltag aus? Welche Hilfe wird tatsächlich gebraucht?
Wie viel Privatsphäre ist wichtig? Welche Räume werden gemeinsam genutzt? Und was
passiert, wenn sich die Lebenssituation verändert?
Solche Fragen und Erwartungen sollten vor dem Einzug in Ruhe geklärt und schriftlich
festgehalten werden. Auch die Zahl und Art der vereinbarten Hilfen sollte möglichst konkret
beschrieben sein. Und auch in der Wohnpartnerschaft helfen regelmäßige Gespräche, um
Erwartungen abzugleichen und Missverständnisse zu vermeiden.
Erfahrungen aus Regionen wie Köln, Freiburg und Kiel zeigen, wie vielfältig solche
Wohnpartnerschaften aussehen können. Denkbar sind etwa ein Zimmer bei einer
alleinlebenden Seniorin, Unterstützung bei Garten und Haushalt, gemeinsames Kochen oder
Hilfe bei kleineren Besorgungen. Auch Familien könnten in das Konzept einbezogen werden,
beispielsweise bei der Betreuung von Kindern, bei Hausaufgaben oder bei der Versorgung
von Haustieren.

BobenOp möchte Menschen zusammenbringen
Der Verein BobenOp engagiert sich als gemeinnütziger Verein für Klimaschutz und
Energiewende. Dabei geht es dem Verein auch um die Frage, wie eine lebendige und
zukunftsfähige Dorfgemeinschaft entstehen kann. Eine Wohnpartnerschaft kann dazu
beitragen, vorhandenen Wohnraum besser zu nutzen, Wege kurz zu halten und Menschen
unterschiedlichen Alters miteinander zu verbinden.
Bei der Initiative Wohnen für Hilfe koordinieren wir ein Netzwerk, das interessierten
Wohnraumgebenden die Möglichkeit für einen unverbindlichen Hausbesuch bietet, bei dem
wir über Wünsche und Erwartungen miteinander ins Gespräch kommen.


Passt es oder passt es nicht?
Wenn die Interessierten nach der Initialberatung signalisieren, dass sie bei Wohnen für Hilfe
mitmachen möchten, schlagen wir auf Grundlage des Gesprächs potenziell passende
Personen für eine Wohnpartnerschaft vor und stellen den Kontakt her. Ein erstes Treffen
kann auf Wunsch begleitet werden. Auch während der Wohnpartnerschaft sind wir als
Ansprechpartner verfügbar und finden gemeinsam Lösungen, falls es einmal nicht wie
gewünscht laufen sollte. Ob eine Wohnpartnerschaft zustande kommt (und wie lange sie
Bestand hat), entscheiden am Ende immer die Beteiligten selbst.

Seitens BobenOp suchen wir aktuell insbesondere Wohnraumanbietende, ob alt oder jung,
ob alleinstehend, als Paar oder Familie. Menschen, die sich über Unterstützung und
Miteinander freuen. Und die Bereitschaft haben, ihr Haus (und ein Stück weit auch ihr Herz)
zu öffnen.
„Wohnen für Hilfe“ kann aus unserer Sicht mehr sein als eine Antwort auf hohe Mieten und
ungenutzte Zimmer. Es kann eine Einladung sein, den eigenen Wohnraum, die eigene Zeit
und die eigenen Fähigkeiten zu teilen und dabei neue Nachbarschaft entstehen zu lassen.
Weitere Informationen sowie Kontakt zum Ansprechpartner gibt es hier:
https://www.bobenop.de/projekte/neue-oder-sonstige-projekte