Luftschiff oder Luftschloss?
Flensburg steht vor einer finanzintensiven Sanierungsmaßnahme: Die Sanierung des historischen Eckener-Hauses, eines der bedeutendsten Gebäude der Altstadt, hängt an einer millionenschweren Sanierung. Politik und Verwaltung haben sich in den vergangenen Monaten intensiv mit dem Projekt beschäftigt – nun hat der Stadtentwicklungsausschuss dem Einsatz von rund 10 Millionen Euro Städtebaufördermittel zugestimmt. Die Entscheidung war nicht eindeutig, 7 Mitglieder des Ausschusses stimmten dafür, drei dagegen und zwei enthielten sich.
Ein Sanierungsfall mit Geschichte
Das Eckener-Haus in der Norderstraße gehört zu den bekanntesten Kulturdenkmalen der Stadt. Teile des Gebäudes stammen aus dem 16. Jahrhundert, später wurde es zum Wohnhaus der Familie des Luftschiffpioniers Hugo Eckener. Seit Jahren steht das Haus jedoch leer und ist zunehmend verfallen.
Untersuchungen haben erhebliche Schäden offenbart: Risse im Mauerwerk, Feuchtigkeit im Keller, Schädlingsbefall und ein insgesamt maroder Zustand der Bausubstanz.
Kosten in zweistelliger Millionenhöhe
Die Sanierung ist teuer – sehr teuer. Ursprünglich wurden die Kosten auf rund 13,9 Millionen Euro geschätzt. Nach Überarbeitung der Planungen, unter anderem mit Einsparungen bei Ausstattung und Nutzungskonzept, liegt die aktuelle Kalkulation bei etwa 10 Millionen Euro. Ein Teil dieser Summe, etwa zwei Drittel, soll durch Fördermittel gedeckt werden, die Stadt Flensburg müsste rund 3,3 Millionen aufbringen.
Selbst ein bloßer Erhalt ohne umfassende Sanierung würde die Stadt rund 2,5 Millionen Euro kosten – ein Argument, das die Verwaltung für die größere Lösung ins Feld führt.
Aktuelle Entscheidung: Grundsatz für Sanierung
Die Stadt will das Projekt grundsätzlich umsetzen, auch wenn noch nicht alle Details – insbesondere zur späteren Nutzung – abschließend geklärt sind.
Oberbürgermeister Fabian Geyer wirbt ausdrücklich dafür, die Entscheidung nicht vom finalen Nutzungskonzept abhängig zu machen.
Stattdessen solle die Chance genutzt werden, das Gebäude zu sichern und aufzuwerten.
Bereits zuvor hatte die Ratsversammlung mehrheitlich beschlossen, Fördermittel für die Sanierung zu beantragen – ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Realisierung.
Nutzung noch offen – Kultur im Fokus
Wie das Eckener-Haus künftig genutzt werden soll, ist noch nicht endgültig entschieden. Diskutiert werden derzeit verschiedene Modelle, wie zum Beispiel eine kulturelle Nutzung (Ausstellungen, Veranstaltungen) oder Treffpunkt für Vereine und Initiativen auch in Kombination mit Gastronomie. Eine Trägerschaft könnte durch eine Stiftung oder einen Bürgerverein realisiert werden.
Das Ziel ist, das Gebäude zukünftig wieder öffentlich zugänglich zu machen.
Zustimmung mit Vorbehalten
Teile der Politik – insbesondere aus der SPD – warnen vor einer finanziellen Überlastung der Stadt, da parallel weitere Großprojekte anstehen, etwa die Sanierung des Deutschen Hauses.
Befürworter betonen dagegen, den hohen denkmalpflegerischen Wert, die Bedeutung für die Innenstadtentwicklung, die Chance, ein „Tor zur Altstadt“ neu zu beleben.
Ein Projekt im größeren Kontext
Das Eckener-Haus ist Teil des umfassenden Sanierungsprogramms „Westliche Altstadt“. Insgesamt um- fasst dieses Programm ein Volumen von rund 51 Millionen Euro und soll die Innenstadt langfristig stärken. Die Sanierung des Gebäudes gilt dabei als Schlüsselprojekt – sowohl städtebaulich als auch kulturell.
Zeitplan: Baubeginn ab 2026 möglich
Der weitere Ablauf hängt maßgeblich von der Bewilligung der Fördermittel ab, ein Förderbescheid wird im Laufe des Jahres 2026 erwartet. Ein Baubeginn wäre für Ende 2026 denkbar. Die Bauzeit wird auf rund drei Jahre geschätzt.
Ob das Projekt am Ende zum Erfolgsmodell oder zur Belastungsprobe wird, dürfte sich erst in den kommenden Jahren zeigen.
Foto: Sven Geißler