Kunst zwischen Welten
Im Flensburger Rathaus fand vom 11. bis 13. Mai die Ausstellung „ZWISCHEN DEN WELTEN und doch nur auf einer einzigen“ statt. Organisiert wurde sie von Flüchtlingshilfe Flensburg e.V..
Die Ausstellung vereinte rund hundert Werke von Künstlerinnen und Künstlern unterschiedlicher Nationalitäten, überwiegend aus der Ukraine. Im Europaraum des Rathauses waren Landschaften, abstrakte Arbeiten, Portraits, spirituelle Motive sowie Bilder über Krieg, Verlust, Hoffnung und das Ankommen in einer neuen Heimat zu sehen. Während der Ausstellung wurden außerdem Gedichte vorgetragen, Musik gespielt und Künstlerinnen und Künstler präsentierten persönlich ihre Werke. Für einige Tage wurde das Rathaus so nicht nur zu einem Verwaltungsort, sondern auch zu einem Raum des kulturellen Dialogs.
Die Idee zur Ausstellung entstand bereits im Jahr 2024. Tobias Kaiser von der Flüchtlingshilfe Flensburg erzählt, dass der Verein schon lange bemerkt habe, wie viele talentierte Künstlerinnen und Künstler sich im Umfeld der Organisation befinden.
„Wir wollten ihrer Kunst eine passende Bühne geben“, sagt er. Besonders beeindruckt habe das Team die Vielfalt der Werke. Die Bilder unterschieden sich nicht nur in Stil, Größe und Technik, sondern auch in den kulturellen Hintergründen und persönlichen Geschichten der Künstlerinnen und Künstler. Themen wie Krieg, Sehnsucht, Gewalt und Verlust standen neben Hoffnung, Freundschaft, Spiritualität und Dankbarkeit.

Auch der Ausstellungsort hatte eine besondere symbolische Bedeutung. Der Europaraum im Rathaus eignete sich nicht nur technisch gut für die Präsentation der Bilder, sondern stand auch symbolisch für Teilhabe und Sichtbarkeit. „Viele der Künstler kannten das Rathaus bisher nur aus der Perspektive der Empfangenden. Wir wollten diese Perspektive um die der Beitragenden erweitern“, erklärt Tobias Kaiser.
Die Resonanz auf die Ausstellung war groß. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher – Mitarbeitende des Rathauses ebenso wie zufällige Gäste – blieben lange vor den Bildern stehen, kamen mit den Künstlerinnen und Künstlern ins Gespräch und diskutierten über die Werke.
Besucherin Inga zeigte sich besonders bewegt von der emotionalen Tiefe der Ausstellung. „Diese Ausstellung ist wirklich voller Gefühle und Emotionen. Jedes Bild hat seine eigene Tiefe und seine eigene Geschichte“, sagte sie.
Zu den Künstlerinnen der Ausstellung gehörte auch Anastasiia Diachenko aus Kyjiw. Die Künstlerin präsentierte ihre Werke erstmals in Deutschland. Ihr „Horse Art Project“ begann bereits 2017, heute befinden sich ihre Bilder unter anderem in New York, London und Mexiko. „Meine Werke symbolisieren Liebe, Harmonie und die Idee, dass unser Leben nicht nur aus Schwarz und Weiß besteht, sondern aus vielen Farben“, erzählt sie.
Die Liebe zu Pferden begleitet Anastasiia Diachenko seit ihrer Kindheit. Seit ihrem zwölften Lebensjahr reitet sie Dressur, und genau diese Verbindung zu Eleganz, Bewegung und Freiheit spiegelt sich auch in ihren impressionistischen Gemälden wider. „Deshalb würde ich sagen: Lasst uns mehr Farben in unser Leben bringen“, sagt die Künstlerin.
Genau dieser Gedanke prägte die gesamte Ausstellung. Es gab kein strenges kuratorisches Konzept, keine künstlich geschaffene Ordnung. Die Organisatoren luden Menschen einfach dazu ein, ihre Kunst zu zeigen – und daraus entstand ein ehrlicher und emotionaler Dialog über Heimat, Erinnerung und Menschlichkeit.
Für Tobias Kaiser war vor allem eines wichtig: „Wir wollten Menschen, die oft nur unter dem anonymen Begriff ‚Geflüchtete‘ zusammengefasst werden, wieder in ihrer Einzigartigkeit sichtbar machen.“
Der Titel der Ausstellung erwies sich am Ende als treffendes Symbol. Trotz unterschiedlicher Herkunft, Sprachen und Lebensgeschichten zeigte die Ausstellung vor allem eines: dass Menschen zwar zwischen vielen Welten leben können – letztlich aber gemeinsam auf einer einzigen.
Tetiana Pus
